Donnerstag, 5. November 2015

Retro Wedding und Circle of Questions (1 Std. Retro, 4 Leute)

Voraussetzungen


Dauer: 1 Stunde
Team: 2 Entwickler, 1 Product Owner, 1 UX Designer

Vorbereitung


(Die Methoden, die ich hier vorstelle, sind nicht meine eigenen Ideen, sondern stammen aus diversen Büchern, Blogs, aus Erfahrungen als Teilnehmerin an Retros, usw. Ich wandle die Methoden allerdings gern ein wenig ab oder kombiniere sie anders, sodass ich hier vorstelle, wie ich sie durchführe.)

Set the Stage


Sprint Weather (5 min)

Bereite eine Tabelle vor: Spalten sind die Sprints, Zeilen sind "Sonne", "Wolken", "Gewitter". Gib jedem Teilnehmer einen Punkt und bitte darum, diesen so zu kleben, wie er oder sie sich in diesem Sprint gefühlt hat.

Frage die Teilnehmer anschließend, was ihnen auffällt und ob jemand etwas zu seinem Punkt sagen möchte.

Mit jeder Retro wird aus den Wetterberichten eine Klimatabelle, die man auch für Retros nutzen kann, die eine größere z.B. Jahres- oder Projektrückschau machen.

Gather Data


Retro Wedding

Beziehe den Hochzeitsbrauch "Something old, something new, something borrowed, something blue" auf die Retro: Gib den Teilnehmern Zettel in vier verschiedenen Farben und bitte sie in 5 Minuten folgende Dinge aufzuschreiben. (5 min)

Old: Etwas im Projekt Bewährtes
New: Etwas, was man ausprobieren möchte
Borrowed: Eine Methode oder Regel, die man sich von einem anderen Team leihen möchte
Blue: Etwas, was einen traurig gemacht hat



Nacheinander hat jeder Teilnehmer die Gelegenheit einen Zettel vorzulesen, zu erläutern und aufzuhängen. (5 min)

Das Aufhängen geht reihum und jeder hängt immer nur einen Zettel auf, damit jeder gleichmäßig gehört wird und nicht der letzte sich nur noch seinen Vorrednern anschließen kann. Wenn man eine Aussage hat, die schon genannt wurde, darf man diesen zu dem entsprechenden Zettel dazu hängen und dennoch einen neuen Zettel aufhängen.

Cluster (5 min)

Bitte die Teilnehmer nach vorne zu kommen, die aufgehängten Zettel zu gruppieren und dazu ein Oberthema zu finden. Dieses Oberthema sollen sie auf einen anders farbigen Zettel schreiben und dazu hängen. Wenn es Zettel gibt, die keinem Thema zugeordnet werden können, dürfen sie alleine hängen, das sollte aber die Ausnahme sein.

Indem man alle Teilnehmer bittet, gemeinsam zu Clustern, entsteht mehr Dynamik, als wenn einer clustert und der Rest des Teams den Prozess im Sitzen kommentiert.

Dot vote (5 min)

Gib jedem Teilnehmer 6 Klebepunkte und bitte sie, den Themen, in denen sie das meiste Potential sehen und über das sie gerne mit dem Team sprechen möchten, Punkte zu geben. Einzelne Karten, die ohne Oberthema sind, dürfen auch bepunktet werden.

Jeder Teilnehmer darf einen Thema 3 Punkte geben, einem anderen 2 und einem weiteren 1 Punkt. Diese Aufteilung führt in der Regel zu klareren Abständen.

Zähle die Anzahl Klebepunkte auf den Themen. Die Themen mit der höchsten Punktzahl werden vom Team diskutiert, um Verbesserungspotentiale zu identifizieren.

Ziel ist es, Action Steps zu identifizieren, die das Team im nächsten Sprint berücksichtigt, um diese Verbesserung aktiv voran zu treiben.

Generate Insights 


Circle of Questions für ein Thema (20 min)

Bitte die Teilnehmer aufzustehen und einen Kreis zu bilden. Du benötigst einen kleinen Ball, den die Teilnehmer sich zuwerfen können.

Ein Teilnehmer fängt an: Er oder sie spricht einen anderen Teilnehmer mit Namen an, wirft ihm oder ihr den Ball zu und stellt ihm oder ihr eine Frage, die einen Bezug zu dem zu diskutierenden Thema hat. Anschließend setzt sich der Fragesteller.

Der nächste Teilnehmer antwortet kurz und prägnant auf die Frage und ist dann selbst an der Reihe eine Frage zu stellen.

Man darf nur denjenigen eine Frage stellen, die noch keine Frage beantwortet haben. Der letzte stellt dem ersten seine Frage. So ist sichergestellt, dass jeder gleichmäßig involviert ist.

Wenn alle sitzen, beginnt die zweite Runde und wer eine Frage gestellt hat, steht wieder auf.

Wenn alle wieder stehen, bittest Du die Teilnehmer die Augen zu schließen und Dir per Daumen hoch oder Daumen runter folgende Frage zu beantworten:

"Kannst Du Dir einen Action Step vorstellen, der euch helfen würde, euch in Bezug auf Thema XY zu verbessern?"

Wenn keine oder nur wenige Leute die Frage mit "Ja" beantworten, bitte die Teilnehmer die Augen zu öffnen und eine weitere Runde zu machen.

Wiederhole das Vorgehen, bis es Action Steps gibt oder die Zeit zu Ende ist. Gehe dann für das Thema in "Decide what to do" über und wiederhole "Generate Insights" und "Decide what to do" für das zweite Thema.

Indem jeder Teilnehmer einem anderen Teilnehmer eine Frage stellt, konzentriert sich derjenige nicht auf seine eigene Meinung, sondern darauf zu erfahren, was sein Kollege denkt. Das soll eine andere Sichtweise auf das Thema ermöglichen und zu mehr Verständnis im Team beitragen.

Decide what to do


Action Steps erarbeiten (10 min)

Jeder Teilnehmer schreibt den Action Step auf, den er aus der Diskussion erkannt hat.

Anschließend liest jeder seinen vorgeschlagenen Action Step vor.

Fordere das Team auf, die gesammelten Action Steps zu einem oder mehreren zusammen zu führen und Einigkeit darüber zu erarbeiten.

Close the Retro


Take A Stand (5 min)

Markiere den Boden mit Zetteln mit den Worten "Super", "Ok" und "Furchtbar" in einer imaginären Linie. Halte die bisher erarbeiteten Action Steps des Teams bereit.

Frage die Teilnehmer: "Wie gut ist Dein Gefühl für den nächsten Sprint?" 

Anschließend stellt sich jeder Teilnehmer an der Linie auf, wie er oder sie glaubt, dass der Action Step bereits umgesetzt wurde - von "Super" bis "Furchtbar".

Mache ein Foto vom Team, um das Stimmungsbild zu dokumentieren.

Erfahrungen


Durchführung


Da wir beim Anmoderieren des Circle of Questions nicht in der Nähe der Sitzgelegenheiten standen, habe ich auf das Hinsetzen und Aufstehen verzichtet und die Teilnehmer stattdessen gebeten, mit den Händen anzuzeigen, ob sie noch für diese Fragerunde zur Verfügung stehen.

Das haben sie nicht umgesetzt, aber ich habe dann die Übersicht behalten und moderiert, wer noch zur Verfügung steht. Bei 4 Personen ist es möglich, die Teilnehmer im Kopf abzuhaken.

Der Circle of Questions hat super funktioniert. Als in der zweiten Runde der letzte Teilnehmer keine Frage mehr wusste, aber ein anderer schon, habe ich die Methode geöffnet und die Teilnehmer durften sich den Ball und die Fragen frei zuwerfen.

In dem Fall glaube ich, dass die Öffnung eine gute Idee war, weil der letzte Teilnehmer von sich aus auf seine letzte Frage verzichtet hat. Prinzipiell ist es beim Circle of Questions aber wichtig, darauf zu achten, dass jeder Teilnehmer gleichmäßig drankommt, um einen ausgeglichenen Meinungsaustausch und gleichmäßig verteilte Wertschätzung zu gewährleisten.

Inhaltlich haben sich die Teilnehmer sehr gut aufeinander eingelassen und sich mehr Verständnis erarbeitet. Dennoch zeichnete sich ab, dass es zu dem Thema keinen neuen Action Step geben wird, sondern das Team die bisherige Arbeitsweise beibehalten möchte.

Deshalb hab nicht jeden einzeln mit geschlossenen Augen gefragt, ob es eine Idee für einen Action Step gibt, sondern offen in die Runde. Ich wollte nicht jeden einzeln enttäuschen, sondern dem Team die Möglichkeit bieten, diese Einsichten als Retro Ergebnis zu nehmen, anstatt sich Action Steps aus den Fingern zu saugen, die es nicht braucht.

Das Team meinte auch, dass es keinen sinnvollen Action Step gibt, aber die Einsichten sehr wertvoll waren.

Nach dem Circle of Questions zum ersten Thema waren alle offenen Fragen beantwortet, sodass keine zusätzliche offenen Diskussion nötig war und das Team noch ein zweites Thema mit dem Circle of Questions bearbeiten konnte.

Feedback


Der Circle of Questions wurde sehr positiv bewertet und hätte genau den Effekt, dass man sich auf den anderen einlässt und mehr Einsichten generiert.

Erkenntnisse


Das Retro Wedding ist von der Fragestellung her ähnlich wie Mad, Sad, Glad, fokussiert aber auf den Aspekt, dass man neue oder geliehene Ideen vorschlagen kann. Ich hatte gehofft, dass aus dieser Frage Potential entsteht, weil das Team sehr neu zusammengestellt ist und jeder unterschiedliche Erfahrungen mitbringt. Das ist leider nicht eingetreten.

Der Circle of Questions wird beim Anmoderieren erstmal belächelt. Ich glaube, das ist so, weil die Aktivitäten der Teilnehmer (Ball zuwerfen, anzeigen, dass man noch frei ist) nach einem kindgerechten Spiel wirken.

Wenn die Teilnehmer sich aber drauf einlassen, führt die Methode wirklich zu mehr Fokus, gleichberechtigten Redenzeiten und schafft ein tieferes Verständnis, weil man sich mit der Frage auf den anderen beziehen muss, anstatt nur seine eigene Meinung zu vertreten.

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